Hinter den Kulissen

Unglaublich, jetzt bin ich doch schon fast zwei Monate aus Braunschweig weg.
Soweit hat auch alles langsam seine gewohnten Wege gefunden. Über meinen Tagesablauf hatte ich auch ja schon an dieser Stelle, berichtet. Soweit hat dieser sich auch gar nicht wirklich geändert, eher gefestigt würde ich sagen.
Ich bin froh, nun langsam sagen zu können, dass wir uns in geregelten Bahnen befinden und an anderen Baustellen weiter arbeiten können.

Mir wurde oft gesagt, ich würde so positiv und glücklich klingen. Das ist leider noch nicht so ganz der Fall. Muss ich ehrlich gestehen.
Für den einen oder anderen mag es vielleicht überraschend kommen, aber man möchte sich natürlich immer auf die schönen Momente konzentrieren und von diesen erzählen. Man blendet einfach alles andere aus, dafür gibt es keinen Platz in den eh schon viel zu langen Posts. Trotzdem gibt es da auch eine andere Seite und der widme ich heute einen ganz eigenen Post.

Du verlässt also deine Heimat. Deine Freunde, deine Familie, deine Hobbies, deine gewohnte Umgebung und noch so vieles mehr. Du machst dich auf die Socken. Du willst einfach mal raus und wann ist eine bessere Zeit dafür, als nach dem Abitur. Deinen ersten Lebensabschnitt hast du hinter dir, die Welt steht dir offen. Und du entscheidest dich, diese nun auf eigene Faust zu erkunden.  
Dieses Abenteuer anzutreten, dafür gibt es zig tausend Wege und Möglichkeiten. Ich habe mich für ein AuPair Leben in den USA entschieden (kommt jetzt überraschend, oder?)
Nach Tagen vieles Vorbereitens und Grübelns, steht der Tag der Tage an. Ein lachendes und weinendes Auge sehen alles zum vorerst letzten Mal. Im Gepäck mehr als nur Wünsche und Vorstellungen. Im Gepäck, dein neues Leben. Und du hast keine Ahnung wie das ausschaut. Es ist, als hätte dir am Flughafen jemand Fremdes einen dir unbekannten Koffer mitgegeben, voll bepackt bis oben hin. Aber was erwartet dich? Es gleicht einer riesen großen Wundertüte.

Dann kommst du an und nach und nach öffnet sich der fremde Koffer immer mehr und gibt seinen Inhalt preis. Vielleicht hast du Glück und hast das große Los gezogen, oder aber du bemerkst das Gegenteil.
Was der Koffer letztendlich alles beinhaltet, dass erfährst du erst, wenn du wieder auf deinem Heimatboden stehst. Wann das jedoch ist, entschied bereits der Fremde, der für dich den Koffer gepackt hat.
Und so vergehen die Tage in deinem neuen Leben. Man versucht sich etwas aufzubauen, schließlich muss man komplett von null anfangen.

Kommen wir zu meiner Erfahrung:
Der erste Monat geht schneller herum, als man denkt. Ehe man es realisiert, ist die Zeit auch schon vorbei. Trotzdem würde ich diesen ersten Monat, den 'rosaroten' Monat nennen. Alles ist neu, alles ist toll. Man wird herzlich aufgenommen, alle sind so lieb und nett und kümmern sich um dich, wollen, dass du dich wohlfühlst.
Nachdem die rosa Brille jedoch an Farbe verliert, alle wieder ihren Alltag aufnehmen und du dir deinen langsam aufbaust, verblasst auch die Anfangseuphorie, wie bei so vielen neuen Dingen.
Bei manchen verschwindet die Harmonie nicht, bei anderen vielleicht nach und nach. All das zeigt sich erst mit jedem Tag, in dem sich der Koffer weiter öffnet.

Mein zweiter Monat war schwieriger. Meine HM ist so gut wie nie zu Hause. Da sie geschäftlich viel herumreisen muss, sehen wir sie teils wochenlang nicht. (Es wurde am Anfang gesagt, dass sie momentan in ihrer 'busy season' stecken würde, jedoch war nicht klar, dass sie manchmal sogar an den Wochenenden weg ist. Eine schwierige Situation für uns alle.)
Hinzu kommt, dass die Väter in den Familien oftmals länger brauchen mit der neuen Gegebenheit umgehen zu können. In meinem Fall ist mein HD super unter Strom, da er momentan nochmal die Schulbank zur Fortbildung drückt und jeden Abend mit Tonnen von Hausaufgaben nach Hause kommt.
Da bleibt das erwünschte und erhoffte  'Familienzusammenleben' erstmal aus.
Ablenken, rausgehen und viel mit Freunden unternehmen würde vielleicht helfen. Hier liegt die nächste Schwierigkeit. In meiner Umgebung wohnen alle AuPairs circa eine Autostunde voneinander entfernt. Kein Grund, sich nicht zusehen, aber ein starkes Hindernis. Ein schnelles 'Wir treffen uns nach der Arbeit kurz auf ne Cola' oder Ähnliches ist einfach nicht drin.
Und so kommt es, dass ich meine Abende meist in meinem Bett mit Netflix (ein Programm, in dem man alle möglichen Serien und Filme schauen kann), einem Buch oder skypend verbringe.

Naja, man sollte nicht vergessen, dass man immer noch erst im zweiten oder nun dritten Monat steckt und halt doch alles noch nicht so gefestigt ist, wie in seiner eignen Familie/Umgebung.
Zumal ich trotz der Distanz schon einige Freunde und liebe Anlaufstellen gefunden habe.

Ich weiß, dieser Post war lang und mühsam, aber ich hoffe, ihr habt euren Weg hindurch gefunden. Wenn ja, dann wisst ihr nun, wie es mir hier ergeht und dass ich noch nicht so ganz im Glück angekommen bin.
Es bleibt spannend, was mein Koffer noch so alles enthält und wie meine Reise weitergehen wird.
In diesem Sinne entlasse ich euch und bin mir sicher, dass bei dem nächsten Post wieder ein paar mehr Bildchen dabei sind und er wieder etwas weniger nachdenklich wird :-)

Kuss und Schluss
Franziska <3

Kommentare

  1. Egal, was Du als Nächstes aus dem Koffer holst, es kommt auf die Sichtweise an. Auch eine zerknitterte Bluse kann ihren Reiz haben. Ich bin sicher, Dein Koffer hält auch noch viele schöne Sachen für Dich bereit!
    - Papi -

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  2. Kopf hoch Franziska ,nach Regen folgt auch wieder Sonne. Gruß Opa und Oma.

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